Pro­to­koll zur Ände­rung der Euro­päi­schen Sozi­al­char­ta

europaflagge - Protokoll zur Änderung der Europäischen Sozialcharta

vom 21. Okto­ber 1991 (von Deutsch­land bis­her nicht unter­zeich­net; noch nicht in Kraft getre­ten.)

Die Mit­glied­staa­ten des Euro­pa­rats, die die­ses Pro­to­koll zu der am 18. Okto­ber 1961 in Turin zur Unter­zeich­nung auf­ge­leg­ten Euro­päi­schen Sozi­al­char­ta (im fol­gen­den als “Char­ta” bezeich­net) unter­zeich­nen,

  • ent­schlos­sen, Maß­nah­men zu tref­fen, die geeig­net sind, die Wirk­sam­keit der Char­ta und ins­be­son­de­re die Wir­kungs­wei­se ihres über­wa­chungs­me­cha­nis­mus zu ver­bes­sern;
  • in der Erwä­gung daher, daß es wün­schens­wert ist, gewis­se Bestim­mun­gen der Char­ta zu ändern,

sind wie folgt über­ein­ge­kom­men:

Arti­kel 1

Arti­kel 23 der Char­ta lau­tet wie folgt:

Arti­kel 23 – Zustel­lung von Abschrif­ten von Berich­ten und Stel­lung­nah­men

  1. Wenn sie dem Gene­ral­se­kre­tär einen Bericht nach den Arti­keln 21 und 22 über­sen­det, lei­tet jede Ver­trags­par­tei eine Abschrift die­ses Berichts an die­je­ni­gen natio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen wei­ter, die Mit­glie­der der inter­na­tio­na­len Arbeit­ge­ber- und Arbeit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen sind, wel­che nach Arti­kel 27 Absatz 2 ein­ge­la­den sind, sich auf den Tagun­gen des Regie­rungs­aus­schus­ses ver­tre­ten zu las­sen. Die­se Orga­ni­sa­tio­nen über­sen­den dem Gene­ral­se­kre­tär ihre Stel­lung­nah­men zu den Berich­ten der Ver­trags­par­tei­en. Der Gene­ral­se­kre­tär über­sen­det eine Abschrift die­ser Stel­lung­nah­men den betrof­fe­nen Ver­trags­par­tei­en, die dazu Bemer­kun­gen abge­ben kön­nen.
  2. Der Gene­ral­se­kre­tär lei­tet eine Abschrift der Berich­te der Ver­trags­par­tei­en an die inter­na­tio­na­len nicht­staat­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen wei­ter, die bera­ten­den Sta­tus beim Euro­pa­rat haben und die in den von die­ser Char­ta gere­gel­ten Ange­le­gen­hei­ten beson­ders fach­kun­dig sind.
  3.  Die Berich­te und Stel­lung­nah­men nach den Arti­keln 21 und 22 und nach die­sem Arti­kel wer­den der öffent­lich­keit auf Ver­lan­gen zur Ver­fü­gung gestellt.”

 

Arti­kel 2

Arti­kel 24 der Char­ta lau­tet wie folgt:

Arti­kel 24 – Prü­fung der Berich­te

  1. Die dem Gene­ral­se­kre­tär nach den Arti­keln 21 und 22 über­sand­ten Berich­te wer­den von einem nach Arti­kel 25 gebil­de­ten Aus­schuß unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger geprüft. Dem Aus­schuß sind auch alle dem Gene­ral­se­kre­tär nach Arti­kel 23 Absatz 1 zuge­lei­te­ten Stel­lung­nah­men vor­zu­le­gen. Nach Abschluß sei­ner Prü­fung ver­faßt der Aus­schuß unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger einen Bericht mit sei­nen Schluß­fol­ge­run­gen.
  2. Bei Berich­ten nach Arti­kel 21 beur­teilt der Aus­schuß unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger aus recht­li­cher Sicht die über­ein­stim­mung des inner­staat­li­chen Rechts und der inner­staat­li­chen Pra­xis mit den Ver­pflich­tun­gen der betref­fen­den Ver­trags­par­tei­en aus der Char­ta.
  3. Der Aus­schuß unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger kann Ersu­chen um zusätz­li­che Aus­künf­te und Klar­stel­lun­gen unmit­tel­bar an die Ver­trags­par­tei­en rich­ten. In die­sem Zusam­men­hang kann der Aus­schuß unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger auch, falls erfor­der­lich, ein Tref­fen mit Ver­tre­tern einer Ver­trags­par­tei ent­we­der von sich aus oder auf Ersu­chen der betref­fen­den Ver­trags­par­tei abhal­ten. Die in Arti­kel 23 Absatz 1 genann­ten Orga­ni­sa­tio­nen sind dar­über auf dem lau­fen­den zu hal­ten.
  4. Die Schluß­fol­ge­run­gen des Aus­schus­ses unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger wer­den ver­öf­fent­licht und durch den Gene­ral­se­kre­tär dem Regie­rungs­aus­schuß, der Par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung und den in Arti­kel 23 Absatz 1 und Arti­kel 27 Absatz 2 genann­ten Orga­ni­sa­tio­nen über­mit­telt.”

Arti­kel 3

Arti­kel 25 der Char­ta lau­tet wie folgt:

Arti­kel 25 – Aus­schuß unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger

  1. Der Aus­schuß unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger besteht aus min­des­tens neun Mit­glie­dern, wel­che die Par­la­men­ta­ri­sche Ver­samm­lung mit der Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men aus einer Lis­te von den Ver­trags­par­tei­en vor­ge­schla­ge­ner Sach­ver­stän­di­ger von höchs­ter Inte­gri­tät und aner­kann­ter Sach­kennt­nis in natio­na­len und inter­na­tio­na­len sozia­len Fra­gen wählt. Die genaue Zahl der Mit­glie­der wird vom Minis­ter­ko­mi­tee fest­ge­legt.
  2. Die Mit­glie­der des Aus­schus­ses wer­den auf sechs Jah­re gewählt. Sie kön­nen ein­mal wie­der­ge­wählt wer­den.
  3. Ein Mit­glied des Aus­schus­ses unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger, das an Stel­le eines Mit­glieds gewählt wird, des­sen Amts­zeit noch nicht abge­lau­fen ist, bleibt bis zum Ende der Amts­zeit sei­nes Vor­gän­gers im Amt.
  4. Die Mit­glie­der des Aus­schus­ses sind in per­sön­li­cher Eigen­schaft tätig. Sie dür­fen wäh­rend ihrer Amts­zeit kei­ne Tätig­keit aus­üben, die mit den mit ihrem Amt ver­bun­de­nen Erfor­der­nis­sen der Unab­hän­gig­keit, Unpar­tei­lich­keit und Ver­füg­bar­keit unver­ein­bar ist.”

Arti­kel 4

Arti­kel 27 der Char­ta lau­tet wie folgt:

Arti­kel 27 – Regie­rungs­aus­schuß

  1. Die Berich­te der Ver­trags­par­tei­en, die nach Arti­kel 23 Absatz 1 und Arti­kel 24 Absatz 3 über­mit­tel­ten Stel­lung­nah­men und Aus­künf­te sowie die Berich­te des Aus­schus­ses unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger wer­den einem Regie­rungs­aus­schuß vor­ge­legt.
  2. Die­ser Aus­schuß besteht aus je einem Ver­tre­ter jeder Ver­trags­par­tei. Er lädt höchs­tens zwei inter­na­tio­na­le Arbeit­ge­ber­or­ga­ni­sa­tio­nen und höchs­tens zwei inter­na­tio­na­le Arbeit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen ein, Beob­ach­ter in bera­ten­der Eigen­schaft zu sei­nen Tagun­gen zu ent­sen­den. Er kann außer­dem den Rat von Ver­tre­tern inter­na­tio­na­ler nicht­staat­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen in Anspruch neh­men, die bera­ten­den Sta­tus beim Euro­pa­rat haben und die in den von die­ser Char­ta gere­gel­ten Ange­le­gen­hei­ten beson­ders fach­kun­dig sind.
  3. Der Regie­rungs­aus­schuß berei­tet die Beschlüs­se des Minis­ter­ko­mi­tees vor. Ins­be­son­de­re wählt er anhand der Berich­te des Aus­schus­ses unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger und der Ver­trags­par­tei­en nach sozi­al- und wirt­schafts­po­li­ti­schen sowie ande­ren poli­ti­schen Gesichts­punk­ten unter Anga­be von Grün­den die­je­ni­gen Fäl­le aus, die nach sei­ner Ansicht nach Arti­kel 28 Gegen­stand von Emp­feh­lun­gen an jede betrof­fe­ne Ver­trags­par­tei sein soll­ten. Er legt dem Minis­ter­ko­mi­tee einen Bericht vor, der ver­öf­fent­licht wird.
  4. Auf der Grund­la­ge sei­ner Fest­stel­lun­gen über die Durch­füh­rung der Char­ta im all­ge­mei­nen kann der Regie­rungs­aus­schuß dem Minis­ter­ko­mi­tee Vor­schlä­ge zur Durch­füh­rung von Stu­di­en zu sozia­len Fra­gen und zu Arti­keln der Char­ta, die mög­li­cher­wei­se auf den neu­es­ten Stand gebracht wer­den könn­ten, unter­brei­ten.”

Arti­kel 5

Arti­kel 28 der Char­ta lau­tet wie folgt:

Arti­kel 28 – Minis­ter­ko­mi­tee

  1. Auf­grund des Berichts des Regie­rungs­aus­schus­ses nimmt das Minis­ter­ko­mi­tee mit Zwei­drit­tel­mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men, wobei das Stimm­recht auf die Ver­trags­par­tei­en beschränkt ist, eine Ent­schlie­ßung an, die sich auf den gesam­ten über­wa­chungs­zy­klus bezieht und Einzel­emp­feh­lun­gen an die betref­fen­den Ver­trags­par­tei­en ent­hält.
  2. Unter Berück­sich­ti­gung der nach Arti­kel 27 Absatz 4 vom Regie­rungs­aus­schuß unter­brei­te­ten Vor­schlä­ge faßt das Minis­ter­ko­mi­tee die ihm ange­mes­sen erschei­nen­den Beschlüs­se.”

Arti­kel 6

Arti­kel 29 der Char­ta lau­tet wie folgt:

Arti­kel 29 – Par­la­men­ta­ri­sche Ver­samm­lung

Der Gene­ral­se­kre­tär des Euro­pa­rats über­mit­telt der Par­la­men­ta­ri­schen Ver­samm­lung im Hin­blick auf peri­odi­sche Debat­ten im Ple­num die Berich­te des Aus­schus­ses unab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger und des Regie­rungs­aus­schus­ses sowie die Ent­schlie­ßun­gen des Minis­ter­ko­mi­tees.”

Arti­kel 7

  1. Die­ses Pro­to­koll liegt für die Mit­glied­staa­ten des Euro­pa­rats, wel­che die Char­ta unter­zeich­net haben, zur Unter­zeich­nung auf; sie kön­nen ihre Zustim­mung, gebun­den zu sein, aus­drü­cken:
    1. indem sie es ohne Vor­be­halt der Rati­fi­ka­ti­on, Annah­me oder Geneh­mi­gung unter­zeich­nen oder
    2. indem sie es vor­be­halt­lich der Rati­fi­ka­ti­on, Annah­me oder Geneh­mi­gung unter­zeich­nen und spä­ter rati­fi­zie­ren, anneh­men oder geneh­mi­gen.
  2. Die Ratifikations‑, Annah­me- oder Geneh­mi­gungs­ur­kun­den wer­den beim Gene­ral­se­kre­tär des Euro­pa­rats hin­ter­legt.

Arti­kel 8

Die­ses Pro­to­koll tritt am drei­ßigs­ten Tag nach dem Zeit­punkt in Kraft, zu dem alle Ver­trags­par­tei­en der Char­ta nach Arti­kel 7 ihre Zustim­mung aus­ge­drückt haben, durch das Pro­to­koll gebun­den zu sein.

Arti­kel 9

Der Gene­ral­se­kre­tär des Euro­pa­rats noti­fi­ziert den Mit­glied­staa­ten des Rates:

  1. jede Unter­zeich­nung;
  2. jede Hin­ter­le­gung einer Ratifikations‑, Annah­me- oder Geneh­mi­gungs­ur­kun­de;
  3. den Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens die­ses Pro­to­kolls nach Arti­kel 8;
  4. jede ande­re Hand­lung, Noti­fi­ka­ti­on oder Mit­tei­lung im Zusam­men­hang mit die­sem Pro­to­koll.

Zu Urkund des­sen haben die hier­zu gehö­rig befug­ten Unter­zeich­ne­ten die­ses Pro­to­koll unter­schrie­ben.

Gesche­hen zu Turin am 21. Okto­ber 1991 in eng­li­scher und fran­zö­si­scher Spra­che, wobei jeder Wort­laut glei­cher­ma­ßen ver­bind­lich ist, in einer Urschrift, die im Archiv des Euro­pa­rats hin­ter­legt wird. Der Gene­ral­se­kre­tär des Euro­pa­rats über­mit­telt allen Mit­glied­staa­ten des Euro­pa­rats beglau­big­te Abschrif­ten.

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